Retrospektive: Plus+Delta mit individueller Priorisierung

Plus-Delta

Eine der Standardmethoden beim Gather Data in einer Retrospektive ist wohl das altbekannte Plus-Delta. Das Vorgehen ist relativ einfach. Man nimmt ein Flipchart für positive Dinge und ein Flipchart für Dinge, die besser laufen könnten, bzw. die man optimieren will. Das Ganze immer mit Bezug auf den letzten Sprint. Danach bekommt das Team ein paar Minuten Zeit um sich zu überlegen wie der letzte Sprint gelaufen ist, und was man für das jeweilige Flipchart notieren könnte. Dann geht jedes Teammitglied der Reihe nach zum jeweiligen Flipchart und klebt seine Zettel in die entsprechende Spalte, entweder bei Delta oder bei Plus. Während die Zettel in die Spalten geklebt werden, erzählt das Teammitglied noch kurz was mit den Zetteln genau gemeint ist. Rückfragen sind hier immer erlaubt, jedoch sollten Diskussionen für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben werden.

Das Resultat sieht dann ungefähr so aus:

Plus-Delta

Ein wildes durcheinander an bunter Zettel. In den folgenden Schritten geht es nun darum, dass man diese Themensammlung nun ein wenig ordnet und die Themen bespricht. Hierbei entsteht oft das Problem, dass man nicht genau weiß, wo man anfangen soll. Wenn dann auch noch die Zeit knapp ist, kann es sogar passieren dass man etwas wegfallen lassen muss.

Eine Möglichkeit damit umzugehen ist es im Anschluss erstmal eine Art Voting zu machen, um alle gesammelten Themen zu priorisieren. Dann können die Themen der Reihenfolge nach abgearbeitet werden.

In der letzten Retrospektive sind wir darauf gekommen, dass man diese Priorisierung eigentlich direkt machen kann, während man die Zettel an den Flipcharts anbringt. Soweit erstmal nichts neues. Links die positiven Dinge, rechts die Dinge die man als verbesserungswürdig empfindet. Und als vertikale Skale noch die Priorität der Dinge. Die Skale für die Priorität geht in diesem Fall nicht über ein Voting und eine Teamentscheidung, sondern nimmt Rücksicht auf die individuellen Wünsche der einzelnen Teammitglieder.

Plus-Delta

Ganz oben würde bedeuten: "Das ist ein Thema, über das ich auf jeden Fall heute sprechen möchte!". Weiter unten würde es dann mehr in die Richtung gehen: "Das wollte ich mal loswerden, aber es brennt mir nun nicht total auf der Seele!".

Diese Art der Priorisierung hat den Vorteil, dass es die Bedürfnisse des einzelnen Teammitgliedes nicht ignoriert. Oft kommen sonst bei einer normalen Priorisierung Themen hoch, die nur für ein einzelnes Teammitglied wichtig sind, dann jedoch durch das Voting nach hinten geschoben werden. Wenn dann auch noch die Zeit knapp wird und das Thema nicht zur Sprache kommt, besteht die Gefahr dass ein einzelnes Teammitglied irgendwann das Gefühl bekommt, dass seine Themen nicht wichtig sind. Das ist etwas, was auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Alles kein Hexenwerk, aber vielleicht ja mal einen Versucht wert?